Aus dem Vasculum

Das Mädesüß

Wussten Sie, dass die Wildpflanze natürliches Aspirin enthält?

Die große Staude ist mit ihrer dunstigen, beige-weißen Blüte und ihren fein gesägten Blatträndern sehr dekorativ.

Da sie andere Pflanzen, die in Feuchtwiesen und an Wasserrändern beheimatet sind, in der Höhe übertrifft, wird sie auch die „Königin der Wiese“ genannt.

Die mittelalterliche Heilkundlerin Hildegard von Bingen ordnete das Kraut wegen seines feuchten Lebensraums nach der Signaturenlehre als Mittel gegen Rheuma ein.

1890 meldete der Bayer-Chemiker Félix Hofmann das Patent zur Gewinnung von Salicylsäure aus der Pflanze an – damit konnte man unter anderem Aspirin herstellen.

Wörtlich bedeutet das: "von der Spirea genommen", der alte Name der Königin der Wiesen.

In der traditionellen Medizin wird dem Mädesüß eine entzündungshemmende, fiebersenkende und antimikrobielle Wirkung zugeschrieben.

Die Pflanze verströmt beim Zerdrücken der Blätter einen starken Duft von Bittermandeln und Vanille und gibt einen angenehmen Aufguss.

Mit dem Mädesüß wurden früher Getränke und gar Zahnpasta gewürzt. Die Wikinger aromatisierten ihre Biere mit ihren Blüten des Mädesüß.

Die Wurzeln des Krauts färben die Wolle schwarz, während die weißen Blüten sehr lieblich schmecken. Sie passen daher ganz gut in Desserts.

Crème Brulée mit Mädesüß

  • 50cl Bio-Sahne
  • 6 Bio-Eier (Eigelb)
  • 50g Bio-Rohrzucker und 50g Zucker zum Karamellisieren
  • Ein Bouquet von getrocknetem Mädesüß

Die Sahne zum Kochen bringen, dann das Mädesüß 30 Minuten ziehen lassen.

Das Eigelb mit dem Rohrzucker zu einer schaumigen Masse schlagen.

Filtern und die Sahne zu den Eiern geben. Unterrühren ohne zu schlagen.

In ein kleines Auflaufförmchen füllen und im Wasserbad erhitzen: 160 Grad für 30 Minuten.

4 Stunden im Kühlschrank kalt stellen.

Den restlichen Zucker drüberstreuen und mit einer Flamme oder im Ofen karamellisieren.

Die medizinischen Eigenschaften des Mädesüß sind seit der Antike bekannt.

In der Jungsteinzeit wurde es auch im Totenkult verwendet. Die Verstorbenen wurden mit einem Kranz aus Mädesüß gekrönt.

Die keltischen Druiden kannten die Heilkräfte der Pflanze. Sie wendeten sie gegen fast vierzig Symptomen an. Vor allem aber hielten sie das Mädesüß für eine heilige Pflanze.

Das Kraut sollte Glück bringen und schmückte daher Hochzeitszeremonien und Druidenversammlungen.

Stéphane Meyer

Der diplomierte Chefkoch Stéphane Meyer kochte im Laufe seiner langen Karriere unter anderem für Sterne-Restaurants und mehrere Gastronomielokale in Luxemburg. Vor drei Jahren brach er aus seinem hektischen Alltag aus und gibt sein kulinarisches Wissen nun in Kursen an die jüngere Generation weiter. “Die Jüngsten in das vergessene Wissen über unsere Wildpflanzen einzuweihen, wurde für mich - gerade in unserer industrialisierten Welt - zur Hauptaufgabe”, so Stéphane Meyer.