Aus dem Vasculum

Der Holunder

Wussten Sie, dass man früher Wein mit Holunderbeeren einfärbte?

Der Strauch mit dem gräulichen Stamm kann bis zu sechs Meter hoch werden und trägt große, lanzenförmige Blätter. Die kleinen cremefarbenen Blüten wachsen in Sträußen zusammen.

Aber Achtung: Der Holunder ist leicht mit dem Zwerg-Holunder zu verwechseln. Dieser wächst krautiger und ohne Stamm, die Früchte sind bitter und giftig.

Die reifen Früchte sind essbar und enthalten hohe Mengen an Vitamin C. Sie haben außerdem eine leicht abführende Wirkung.

Aus den schwarzen Früchten kann man Marmeladen und Kaugummi herstellen. Sie enthalten viele Antioxidantien und die Vitamine A, B und C, die die Eigenschaft besitzen, beim Kochen nicht zu verdampfen.

Früher war ein Aufguss aus getrockneten Holunderblüten ein beliebtes Hausmittel gegen Erkältungen.

Holunderblüten haben eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Man kann sie in Pfannkuchen oder Krapfen verwenden oder damit Wein oder Essig aromatisieren.

Aus Holunderblüten kann man auch einen exzellenten Sirup herstellen. Dieser ist eine der Zutaten für den beliebten Cocktail “Hugo”.

In Portugal färbte man bis 1747 Wein mit konzentriertem Holundersaft ein. Vor allem auch Portwein.

Auch in Luxemburg wurde der Holunder gerne in alkoholischen Getränken genutzt. Verkauft wurden sie zum Beispiel in Form von "Ugemaachten Drëppen".

Holunderblütenwein

  • 1 Flasche trockenen Weißwein von der Mosel
  • 1 Sträußchen Holunderblüten
  • 30 Gramm Bio-Rohrzucker
  • 1 geriebene Zitronenschale
  • 1 Teelöffel klarer Branntwein

Alle Zutaten werden in einem Behälter zusammengemischt und für einen Monat ruhen gelassen. Danach wird das Gemisch gefiltert und für weitere zwei Monate in Flaschen gelagert. Trinkt sich am besten eiskalt.

Eine Legende besagt, dass der Holunder nie vom Blitzschlag getroffen werden kann. Dafür soll er den Haushalt vor bösen Geistern schützen.

Dem Holunder werden bereits seit langem Schutzeigenschaften nachgesagt. Diese Geschichten gehen auf eine dunkle Vergangenheit zurück, als Menschen ihre toten Angehörigen zerteilten und aus ihren Schienbeinknochen Flöten herstellten, mit deren Musik sich ihre Stimme wieder zum Leben erwecken lassen sollte. Diese Flöten wurden genutzt, um mit den Vorfahren zu kommunizieren.

Als die Menschheit sesshaft wurde, begann man, Verstorbene in der Erde beizusetzen. Schnell fand man heraus, man aus entrindeten Holunderästen Instrumente herstellen kann, die den Knochenflöten sehr nahe kommen. So wurde die jahrtausendealte Tradition in abgewandelter Form fortgeführt.

Aus diesem Grund wird im keltischen Kalender, in dem verschiedene Baumarten für die unterschiedlichen Monate stehen, der Holunder mit dem 13. Monat in Verbindung gebracht. Es ist der letzte Monat des Jahres. Er endet mit dem Fest der Toten, das wir heute besser als “Halloween” kennen.

Die Symbolkraft des Holunders hat dazu geführt, dass man die Pflanze in vielen europäischen Ländern noch heute nicht ausreißt oder beschädigt. In Tirol hat man früher außerdem den Hut zum Gruß angehoben, wenn man an einem Holunderstrauch vorbeispazierte.

Stéphane Meyer

Der diplomierte Chefkoch Stéphane Meyer kochte im Laufe seiner langen Karriere unter anderem für Sterne-Restaurants und mehrere Gastronomielokale in Luxemburg. Vor drei Jahren brach er aus seinem hektischen Alltag aus und gibt sein kulinarisches Wissen nun in Kursen an die jüngere Generation weiter. “Die Jüngsten in das vergessene Wissen über unsere Wildpflanzen einzuweihen, wurde für mich - gerade in unserer industrialisierten Welt - zur Hauptaufgabe”, so Stéphane Meyer.